Alle Artikel mit dem Schlagwort: Third Places

Games Community trauert um Carrie Fisher

Games Community trauert um Star-Wars-Star Carrie Fisher

Trauer ist eine Emotion, die in uns entsteht, wenn wir etwas verlieren, das uns sehr wichtig ist. Wenn wir trauern, suchen wir Trost, und in aller Regel finden wir diesen Trost bei anderen Menschen, denen wir vertrauen (interessant: mir fällt erst jetzt auf, dass im Vertrauen das Wort Trauer bereits enthalten ist). Oft sind es Menschen, von denen wir wissen, dass sie unsere Trauer verstehen. Vielleicht, weil sie in der Vergangenheit selbst eine Phase der Trauer erlebt haben, oder weil sie gerade dieselbe Trauer verspüren wie wir – weil sie aus demselben Anlass heraus trauern wie wir. In Zeiten der Trauer suchen wir zu diesen Menschen Kontakt: wir suchen das Gespräch, verlangen nach Berührungen und Blickkontakt. Trauer verlangt nach solchen sozialen Ritualen, weil vielleicht nur diese Rituale in der Lage sind, unsere Trauer abzubauen. Meist wollen wir nicht länger trauern, als unbedingt nötig. Wir wollen, dass unsere Zeit der Trauer endet. Interessanterweise scheinen sich Rituale der Trauer nicht mehr allein auf die Offline-Welt zu beschränken. Auch online finden wir sie mittlerweile in Form von virtuellen Zusammenkünften, Chats und symbolischen Handlungen, die unserer …

Fußballstadio voller Fans

Die feinen Unterschiede zwischen Fans und Fans

2011 hatte ich das Glück, jemanden kennenzulernen, der mit großer Leidenschaft und ganzem Herzen Fan des FC Bayern München ist. Wenn man es genau nimmt, ist er nicht bloß ein Anhänger des FCB, sondern auch ein Riesenfan der Fanszene, der er selbst schon länger als sein halbes Leben angehört. Er liebt seinen Verein – und seine Community. Eine schwere Erkrankung zwang ihn nun, nach 19 Jahren intensiver Fanarbeit, dazu, kürzerzutreten. In seinem Fall heißt das: Spiele des FC Bayern nicht mehr stehenden, springend und gröhlend von der Südkurve aus zu verfolgen, sondern von den Sitzplätzen, wo das Stadionerlebnis ein völlig anderes ist. Die Südkurve ist für ihn der zentrale Ort, der sein Dasein als Fan definiert. Sie ist der Ort, an dem für ihn Community erlebbar ist. Sie ist sein third place – und von dem ist er nun zwangsweise ausgeschlossen. In einem sehr persönlichen Blog-Artikel beschreibt er, wie sich dieses neue und ganz andere Fan-Dasein für ihn anfühlt. Die Innenperspektive, die er dabei offenlegt, ist faszinierend: Er erinnert sich, wie ihn sein erstes Spiel …

Internationaler Tag der Kissenschlacht

Urbane Spielwiesen

Am 4. April war wieder Internationaler Tag der Kissenschlacht. Berlin, London, New York – überall auf der Welt versammelten sich Menschen an öffentlichen Plätzen, um im Namen des Spaßes gemeinsam die Federn fliegen zu lassen. Gemeinsam ist das Schlüsselwort. Eine Kissenschlacht lässt sich nicht alleine machen. Es ist eine Aktivität, die mindestens zwei Teilnehmer braucht. Am Tag der Kissenschlacht waren es in einigen Städten Tausende, die sich die Kissen um die Ohren hauten. Jedes Jahr aufs Neue finden die Schlacht bewusst im öffentlichen Raum statt. Dadurch werden auf spielerische Weise die urbanen Plätze wiederbelebt. Sie werden wieder zu den Orten der Begegnung und des sozialen Miteinanders, die sie einst waren. So schreiben die Betreiber von pillowfightday.com: „One of our goals is to make these unique happenings in public space become a significant part of popular culture, partially replacing passive, non-social consumption experiences like watching television, and consciously celebrating public spaces in our cities as our ‚urban living rooms.’“ Die Internationalen Tage der Kissenschlacht sind im Kern Community Events. Online organisiert, offline zelebriert, ziehen sie Menschen …

Minecraft Screenshot

Third Places im digitalen Raum

Man sagt, das Schöne am Reisen sei das Heimkommen. Manchmal brauchen wir etwas Abstand zu unserem gewohnten Umfeld, sei es, um in uns zu gehen, einen klaren Gedanken zu fassen oder einfach mal wieder etwas Neues zu erleben. In den meisten Fällen kommen wir nach dieser Reise aber wieder zurück an den Ort, an dem wir leben und den Großteil unserer Zeit verbringen. Heimat und Ferne, Nähe und Distanz – das eine kann nicht ohne das andere. Auch Online Communities sind Orte, zu denen wir manchmal aufbrechen – ganz bewusst, weil wir es wollen. Wir loggen uns ein, schauen, was es Neues gibt, chatten und lachen mit anderen, die genau wie wir bewusst diesen Ort aufsuchen. Wir verweilen ein paar Stunden und loggen uns dann wieder aus, um uns den Dingen des Alltags zu widmen. Danach fühlen wir uns anders. Im Idealfall besser. Wir sind für einen Moment aus der Routine unseres Lebens mit all ihren Regeln und Zwängen entkommen. In seinem Buch „The Great Good Place“ hat der Soziologe Ray Oldenburg das Konzept des …