Leg dich nicht mit DIE WELT an

Und jetzt noch ein sehr schönes Beispiel, das zeigt: Deutsche Marken können Community Management, wenn sie sich nur trauen.

Nach der Deutschen Bahn und Spiegel TV wagt auch Die Welt eine Kommunikation mit ihrer Fanbase, die weit mehr ist als das übliche Dialog-Einerlei, das man im Web sonst an allen Ecken und Enden findet.

Während die meisten Marken krampfhaft versuchen, bloß nie den dialogischen Bogen zu überspannen, immer nett und seriös zu bleiben und bloß niemals in die Kontroverse abzurutschen (und dadurch zum Gähnen langweilig sind), kommunizieren Marken wie Die Welt auf eine Weise, die so dermaßen für Aufsehen sorgt, dass sogar andere Medien darüber berichten.

So geschehen auf Storyfilter.com – zugegeben nicht das große Leitmedium, aber immerhin ein doch so gut vernetztes, dass mich der Artikel dank eines Freundes über Facebook erreicht hat. Dort finden sich zahlreiche Beispiele wie dieses hier:

Die Welt Community Management

Bild: Storyfilter.com

Manche Dialoge sind subjektiv hart an der Grenze des guten Geschmacks und beim Lesen dachte ich mir nicht nur einmal: Krass, die trauen sich aber was. Unterm Strich ist es dem Team von Die Welt damit aber gelungen, ein paar richtig positive Eindrücke bei mir zu hinterlassen. Sie wagen es, anders zu sein und sie sind sehr gut darin.

Hey, Leute von Welt, bei mir habt ihr jetzt einen Stein im Brett. Und das nicht nur aus professioneller Sicht, vom Blick eines Community Managers aus, sondern auch ganz und gar persönlich. Ich fühle mich von euch gut unterhalten und freue mich auf mehr. Rock’n’Roll!

Startups mit Ude-Power

Die IHK für München und Oberbayern fördert Startups. Sie hat eigens dafür die Startup Unit ins Leben gerufen – und eine prominente Persönlichkeit als Werbefigur engagiert: Münchens Ex-Oberbürgermeister Christian Ude, den oidn Grantler. Hier der aktuelle Spot:

Die IHK für München und Oberbayern zählt zu meinen Kunden.

Thermomix TM5 Hack

Ich dachte, ich seh nicht recht, als ich heute durch mein Feedly scrollte. Ist das Hacken von Küchengeräten echt so ein Riesenthema, dass sogar Golem.de darüber berichtet? Ganz offenbar ist dem so.

Aktuell geht es dem Thermomix TM5 der Firma Vorwerk an den Kragen. Dieses Modell arbeitet mit Rezept-Chips, die sich in der das Gerät [der musste sein…] einlegen lassen. Auf den Chips sind verschiedene Rezepte gespeichert. Du wählst aus, was du zubereiten willst, dann sagt dir dein Thermomix, welche Zutaten du in welcher Menge benötigst und führt dich schließlich step by step durch den Kochvorgang. Ein tolles Ding.

Nur sind die Chips recht teuer. Und das schreit geradezu nach einem Hack. Die Firma Vorweg erlaubt nämlich nicht, eigene Rezepte auf die Chips zu laden. Genau das wäre aber recht praktisch – und günstig noch dazu. Einige Hacker und Modder versuchen nun herauszufinden, wie genau die Rezept-Chips funktionieren, um sie mit eigenen Rezepten zu füllen.

Thermomix TM5 Chip Modding

Bild: tarnkappe.info

Auf Facebook gibt es mittlerweile eine eigene TM5 Chip Modding Community, die sich dem Thema widmet. Auch im Forum Mikrocontroller.net sind Diskussionen im Gange über Linux, BusyBox und vierpolige USB-Anschlüsse. Whatever… ich kenn mich mit sowas nicht aus. Aber ich finds super. Die Firma Vorweg dürfte darüber freilich not amused sein. Andererseits ist das, was da gerade passiert, ein Akt der Erkenntnisgewinnung. Grassroots style aka guerilla tactics. Wie zum Teufel funktioniert das Ding?! Ich will das wissen! An sich ist das eine gute Sache.

Wie die Rechtslage hier aussieht, erklärt Rechtsanwalt Christian Solmecke übrigens in diesem Clip:

Spiegel TV vs. Pegida

Während draußen auf den Straßen Demos und Gegen-Demos stattfinden und man als Zuschauer irgendwie das Gefühl bekommt, Pegida-Anhänger und ihre Gegner würden kaum ein Wörtchen miteinander wechseln, sieht das im Netz ein wenig anders aus.

Im Netz kann man nämlich nicht durch die Städte marschieren, Banner hoch halten und Fahnen schwingen, komische Lieder singen und böse gucken. Was man online hingegen prima kann, ist schreiben, kommentieren, haten und ranten. Und dass das im Zuge dieser Pegida-Sache derzeit zuhauf passiert, vor allem auf den offiziellen Seiten von Presse und Medien, kann man sich denken.

Das ist eine echte Herausforderung für die Community Manager, die diese Seiten betreuen, weil Dialogführung immer ein äußerst heikles Thema ist. Umso beeindruckender ist es für mich, wenn es das Community Management schafft, sehr souverän mit Hatern und Trollen umzugehen. So wie hier bei Spiegel TV auf Facebook:

Spiegel TV gegen Pegida

Diese Grafik hat mich über Facebook erreicht. Ich habe nicht verifiziert, ob der Dialog echt ist. Aber selbst wenn nicht, fände ich die Reaktion von Spiegel TV auf den Kommentar von Kilian B. absolut angemessen, denn:

  • Die Antwort ist nicht von oben herab getextet, sondern Spiegel TV bewegt sich hier auf Augenhöhe mit dem Kommentierenden, ganz nach dem Motto “wie du mir, so ich dir”.
  • Die Antwort provoziert, ohne niveaulos zu sein. In der Hitze der Diskussion wäre es nur menschlich gewesen, anders zu reagieren, mehr zu provozieren, den anderen anzugreifen. Aber die Community Manager von Spiegel TV wollten es besser machen und fanden schließlich eine elegantere Lösung.
  • Und diese Lösung sieht so aus: Spiegel TV nimmt keine klare Pro/Contra-Stellung zum Thema ein, sondern macht den Sprung weg von der Ebene der Fakten und Logik (von der aus sie auch hätten antworten können) auf die Ebene der Sprachkunst, wo Ästhetik und Wortwitz im Vordergrund stehen. So macht sich Spiegel TV weniger angreifbar.
  • Obwohl die Antwort ordentlich ironisch ist, ist sie dennoch auf den Punkt formuliert. Eigentlich lässt sie Spielraum für Interpretationen und doch versteht jeder sofort, wie sie gemeint ist sein muss.

Chapeau, Spiegel TV! Habt ihr richtig gut gemacht.

Mal nachgedacht über Preispolitik

Ziemlich teuerer Schokoniklaus
Dieser Schokonikolaus von Lindt kostet 3,50 Euro. Es gibt deutlich günstigere Schokonikoläuse zu kaufen, und doch war es dieser, auf den die Kaufentscheidung fiel. Das gab mir zu denken…

Zugegeben, dieser Schokonikolaus ist eine coole Socke. Er trägt einen schwarzen Mantel und eine dunkle Sonnenbrille, hat pinke Kopfhörer auf, die in einem pinken iPod MP3-Player stecken. Auf seiner Tasche steht “X-MAS ROCKS” (im Foto nicht richtig zu sehen) und sein Grinsen ist das eines Mannes, der genau weiß, dass er bei den Leuten ankommt. Ein Siegerlächeln.

Lindt hat das schon ganz gut gemacht. Aber hey, 3,50 Euro?! Warum kann Lindt so viel Geld für ein Schoko-Etwas verlangen? Ich hab über diese Frage mal ein bisschen nachgedacht und mir fielen diese vier Gründe ein:

  1. Einen Schokonikolaus herstellen kann jeder. Deshalb gibt es so viele von ihnen und sie alle sehen irgendwie gleich aus. Ein cooler Schokonikolaus aber, so wie der hier, fällt aus dem Raster. Da schaut man hin. Den fasst man an. Aber es gibt mittlerweile viele coole Schokonikoläuse zu kaufen, also muss man weiterdenken.
  2. Es ist Lindt. Lindt steht für Qualität auf dem Schokomarkt. Milka allerdings auch, also weiter.
  3. Schokonikoläuse schenken ist tief in unserer Kultur verankert. Alle tun es und alle wollen einen – nicht nur die Kinder, auch die Eltern und Großeltern. Es ist ein riesiger Markt. Selbst wenn Lindt von seinen coolen Schokonikoläusen im Schnitt deutlich weniger Stückzahlen verkauft, weil er so teuer ist, wird die Marge pro Stück deutlich höher sein als bei anderen und die geringeren Verkaufszahlen wieder kompensieren.
  4. Vor allem Kinder und Jugendliche werden diesen Schokonikolaus lieben. So wie der aussieht, ist das ein ziemlich lässiger Typ, mit dem man gut und gerne abhängen könnte. Vermutlich hat er sogar einen ausgezeichneten Musikgeschmack. Und jetzt stellt euch vor, wie die Kiddies vor dem Supermarktregal stehen und ihre Eltern anbetteln: “Den will ich. Krieg ich den? Biiiiittteeeeee!” Will man seinen Kindern wirklich diesen Wunsch abschlagen, so kurz vor Weihnachten? Och, neeeeeee.

So viel ganz spontan aus meinem Kopf zum Thema Preispolitik. Wie denkt ihr darüber?